Der gestiefelte Eros Eine literarische Genussreise durch das (garantiert) schönste erotische Buch ever. Lass dich beschenken mit ein paar Stunden himmlischen Lesegenusses. Hier kannst Du es im Original lesen Es erwartet dich das unerhörte Bekenntnis eines queeren Jugendlichen aus den frühen 1930er Jahren, das von einem Dasein erzählt, das üblichen gesellschaftlichen Konventionen zuwiderläuft. Im Kontext dieses Romanwerks geht es mir um die Frage: Worauf habe ich Lust, wo zieht es mich hin, worauf reagiere ich - und wieso. Hier kommt der hochhackige Damenstiefel als lustauslösendes Objekt ins Spiel. Diese Homepage ist der Versuch, die Affinität von Jungs zu Damenstiefeln literarisch zu durchdringen und einfühlend zu beschreiben. Ich nehme mir dazu alle Freiheiten. Hanns von Leydenegg: Der gestiefelte Eros (Originalausgabe) Heyne Exquisit Taschenbuch Nr. 95, 188 Seiten. Erschienen 1975. Bis 1979 sind 3 Auflagen bekannt. |
DER GESTIEFELTE EROS, die Lebensbeichte eines transvestitischen Schuhfetischisten, wurde nach dem Ersten Weltkrieg innerhalb der Reihe „Literarische Dokumente zu den Abarten des Sexuallebens“ veröffentlicht. Dieser nur für Subskribenten erschienene Privatdruck ist heute eine gesuchte Rarität.
|  | pflichtschuldig | Inhalt des Romans Erzählt wird das sinnliche Erwachen eines jungen Stiefelfetischisten: Der 16jährige Charley wird von filigranen Backfischstiefeln angezogen, die ihm an den Waden eines Schulfreundes (sic!) ins Auge springen. Seine Lust explodiert geradezu, als er bei seiner weitgereisten, steinreichen Tante Gisel, die den Leydeneggs eines Tages ins Haus einschneit, noch weit laszivere Luxusstiefel entdeckt. Der schicken Dame entgeht keineswegs, dass ihr Schuhwerk auf das halbgare Jungelchen eine magische Anziehung ausübt. Als das sich, einer nicht mehr aufschiebbaren Regung folgend, heimlich ihrer ausgezogenen Stiefel bemächtigt, ist sie zur Stelle, knöpft ihn sich vor und konfrontiert ihn unverblümt mit seiner "unjungenhaften" Leidenschaft. Dabei heimst sich der junge Herr keineswegs einen Tadel ein, sondern im Gegenteil das großzügige Angebot zu einer hübschen Spritztour nach Berlin, wo seine unaufschiebbare Abrichtung auf damenhafte Stiefel vollzogen werden soll. Ort des Geschehens ist einer der elegantesten Schuhsalons der Hauptstadt, der sich der Maßfertigung feiner Modelle verschrieben hat. Hier wird der Kauf von schambesetzten Fetisch-Stiefel in praller Öffentlichkeit zur Haupteinkaufszeit durchgeführt und unter Anleitung einer routinierten Verkäuferin abgehandelt, was durch die Anwesenheit amüsiert dreinblickender Zufallskundinnen zu einer peinlichen Zurschaustellung führt, die von Gisel lustvoll orchestriert wird. |  |
Diese Prozedur erfährt ihre Steigerung nebenan bei Gerson, der angesagtesten Lingerie-Boutique der Hauptstadt, wo dem jungen Herrn anschließend Garnituren feiner Spitzenwäsche sowie ein enges Fischbein-Korsett angepasst werden, deren Anprobe ihm die emsige Assistenz schicksiger Verkäuferinnen sichtbar erleichtert. Aber in so neckischen Dessous bleibt Charley immer noch "ein Mann der Tat", wie sich kurz darauf zeigt, als man ihn mit Schimpf und Schande von dem Mädchenpensionat dispensiert, in das ihn Tante umständehalber "geparkt" hatte. Um ihm den Schrecken darüber zu vergelten, lässt sie ihn hinfort die laszive Aura ihrer lebensprallen Stiefelbeine amourös zuteil werden.
Der Psychologe meint: Die Obsession für raffiniertes Schuhwerk gilt in gutbürgerlichen Kreisen bei jungen Burschen als nicht-wesensfremde Erscheinung, die sich manchmal schon im Pubertätsalter manifestiert. Günstige Umstände, zum Beispiel die regelmäßige Bereitstellung des Lustgegenstands, können dessen regelmäßige Ingebrauchnahme einüben, was diese Daseinsäußerung - unterfüttert durch einfühlsame Begleitung einer Person deines Vertrauens - nach und nach zu einer hingebungsvoll-praktizierten Voll-Perversion gedeihen lässt.
|  | In diesem Romanwerk erlangst du Teilhabe an frühen damenstiefel-affinen Regungen eines jungen Mannes. Du tauchst ein in die amouröse Erzählwelt eines autobiografischen Werkstücks, das Zeugnis gibt vom Dasein eines Außenseiters, der sich, getragen durch die Förderung seiner reichen "Tante", im sinnlichen Berlin der Weimarer Jahre tummelt und dann an ein exaltiertes Erziehungsinstitut in Rom weitergereicht wird, wo ein schuhfetischistisch aufgeladenes, durchaus effeminiertes Dasein den Alltag bestimmt. Damit in Verbindung stehende diverseste Grenzüberschreitungen werden durch behutsames Insistieren seiner "Bestimmerin" auf rechte Art genussvoll. Besondere Wertigkeit erfährt das öffentliche Zur-Schau-Stellen eigener Lächerlichkeit, das in femininer Garderobe zu einer lustvoll-aufgeladenen Inszenierung gerät, die im Straßengeschehen sensationelle Bezüge herstellt. Unter der Knute seiner eng die Waden umknöpften Hochhack-Stiefel taumelt unser Titelheld genussvoll durch Raum und Zeit. Beseelt von der Vorstellung, sich ganz und gar als Mädchen zu fühlen, phantasiert er sich in eine Zwangslage hinein, die durch die Anweisungen seiner Bestimmerin ihre Dynamik erhält. So entsteht eine Abfolge von Beschämungsritualen, die zu spannungsgeladenen, durch eingeschnürte Kostümierungen geprägte Episoden coram publico führen. Im bizarren Alltag des nach devoter Behandlung gierenden Stöckel-Enthusiasten wird die Steigerung des Stiefelgenusses literarisch gefeiert. | Mit einem ausgeprägt "dicken Fell" ausgestattet, vermag unser junger Damenstiefelheld allen Übergriffigkeiten des Publikums die Stirn zu bieten - notfalls durch mädchenhaftes Die-Zunge-Rausstrecken. Entschlossen, nicht einen Zentimeter von seinem einmal bekundeten Stiefel-Credo abzuweichen, lautet sein Leitspruch: "Nachdem ich das erste Mal gestöckelt an der Öffentlichkeit war, bin ich nicht bereit, mich in andere Fußbekleidung zu zwängen als in filigrane Damenstiefel! Es widerstrebt mir, mir die schmalen Füße, mit denen ich gesegnet bin, durch grob zurechtgeschusterte Herren-Galoschen zu ruinieren." Und sei es drum, dass sämtliche ungeschriebenen Regeln des allüberall zutage tretenden Spießertums dabei über die Wupper gehen! |  | Falls du damit liebäugelst, das Wagnis einzugehen, selber damengestiefelt die Öffentlichkeit zu beglücken, dann: Nur zu! Sei gewiss, dass so einem Plan nichts Abwegiges anhaftet. Nichts, wofür man sich zu schämen hätte - im Gegenteil. Wenn du dich herzklopfend dem Straßenpublikum andienst und dessen anteilnehmende Zuwendung einforderst, die sich - idealerweise - als Melange von Spott und Belustigung direkt auf deine Stiefelbeine kaprizieren möge, dann ist der erste Stöckelschritt getan für eine Zugeneigtheit auf Gegenseitigkeit, bei der der Eine gibt und der Andere nimmt, und ein Jeder auf seine Kosten kommt. So wirst du Frieden schließen mit deiner amourösen Leidenschaft und froh darüber sein, dass es keine schlimmere Unart ist, von der du gesegnet bist.
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